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Nach 16 Jahren: Kreisbrandrat Anzenhofer geht in den Ruhestand

Ruhestand: Kreisbrandrat Georg Anzenhofer hängt Uniform und Helm an den Nagel – Er stand 16 Jahre lang an der Spitze der 138 Feuerwehren im Augsburger Land – Freundlich im Ton, konsequent in der Sache

26.05.2010 - 10:22 Uhr
Eine Ära geht zu Ende: 16 Jahre lang stand Georg Anzenhofer an der Spitze der 138 Feuerwehren im Augsburger Land, dem drittgrößten Landkreis Bayerns.



Bei den Feuerwehren im Augsburger Land geht eine Ära zu Ende: 16 Jahre lang war Georg Anzenhofer als Kreisbrandrat (KBR) der oberste Chef der 132 Freiwilligen und sechs Werkfeuerwehren im drittgrößten Landkreis Bayerns. Am 18. Mai feierte der Weldener seinen 63. Geburtstag. Nach dem Bayerischen Feuerwehrgesetz markiert dieses Datum das Ende der Dienstzeit eines Kreisbrandrates. Seinen Schreibtisch im Augsburger Landratsamt räumte der scheidende KBR zum 31. Mai. Sein Nachfolger wird der 48-jährige bisherige Kreisbrandmeister Alfred Zinsmeister aus Wollbach.

Georg Anzenhofer geht mit gemischten Gefühlen in den Ruhestand: einerseits freut er sich auf einen neuen, ruhigeren Lebensabschnitt ohne vollen Terminkalender und 24-Stunden-Alarm-Piepser. Andererseits war und ist er ein Vollblut-Feuerwehrmann, der sich sein ganzes bisheriges Leben lang mit viel Herzblut und persönlichem Einsatz der größten Bürgerinitiative im Lande verschrieben hatte. „Der Abschied fällt da nicht ganz leicht“, gesteht der dreifache Familienvater. Wenngleich er sicher ist, dass die vielfältigen Kontakte und Freundschaften zu den Wehren im Landkreis, aber auch zu den Feuerwehrkollegen in den Gremien auf schwäbischer und bayerischer Ebene über seinen Ruhestand hinaus Bestand haben werden.

Mit Georg Anzenhofer verabschiedet sich eine Feuerwehr-Autorität, die in der heutigen Zeit selten geworden ist. Für „seine“ Kommandanten und Inspektions-Führungskräfte war der 63-Jährige nicht nur Vorgesetzter und im Ernstfall Einsatzleiter. Georg Anzenhofer legte stets großen Wert auf die richtige Balance, war den über 7700 aktiven Brandschützern zwischen Nordendorf und Schwabmühlhausen nicht nur Chef, sondern immer auch Freund und Berater. Vor allem die Jugendarbeit und das Miteinander der Generationen in den Wehren lagen ihm am Herzen. Dabei genoss er den Ruf eines höchst kompetenten und engagierten Fachmannes in allen Feuerwehrfragen, dem der hautnahe und kameradschaftliche Kontakt zur Basis stets ein Herzensanliegen geblie­ben ist: freundschaftlich im Ton, konsequent in der Sache. Das Erfolgsrezept für seine Beliebtheit? „Ich habe mich bemüht, alle meine Feuerwehren gleich zu behandeln, keine Unterschiede zu machen zwischen einer fast täglich geforderten großen städtischen Wehr und einer kleinen Dorffeuerwehr mit ganz wenigen Einsätzen.“ Der scheidende KBR bricht eine Lanze für die Wehren in den kleinen Orten: „Sie sind dort das Rückgrat des gesellschaftlichen Lebens, weit über das Feuerwehrwesen hinaus!“ Dankbar und erleichtert ist Georg Anzenhofer, dass er in seiner gesamten Amtszeit als Feuerwehr-Führungskraft keinen einzigen Todesfall bei Einsätzen der aktiven Mannschaft zu beklagen hatte – bei rund zweieinhalb tausend Einsätzen im Jahr keine Selbstverständlichkeit.

Kreisbrandrat Georg Anzenhofer, seit 1994 oberster Chef der Feuerwehren im Augsburger Land, hängt seinen Helm mit den vier roten Streifen an den Nagel.



Der gelernte Landwirt Georg Anzenhofer trat 1964 in die Freiwillige Feu­erwehr seiner Heimatgemeinde Welden ein. Ab 1973 fungierte er dort als Lösch­meister, engagierte sich in der Jugendausbildung und war am Aufbau einer der schwabenweit ersten Frauenlöschgruppen beteiligt. Von 1975 bis 1984 war er Kommandant der Weldener Wehr, von 1978 bis 1983 zugleich auch Kreisbrandmeister im Holz­winkel. 1984 folgte er Werner Strobel auf den Pos­ten des Kreisbrand­inspektors im Inspekti­onsbe­reich Mitte. 1994 trat Anzenhofer dann erneut in die Fuß­stapfen seines Vorgängers Werner Stro­bel: Als neuer Kreisbrand­rat verlegte er seinen Ar­beitsplatz von einer großen Augsburger Reifenfirma ins Land­ratsamt am Prinz­regentenplatz. In seinen Zustän­digkeitsbereich fiel neben der obersten Einsatzlei­tung bei Großbränden und technischen Hilfseinsät­zen auch viel Schreib­tischarbeit: bei allen größeren Bauvorhaben im Augsburger Land muss der KBR die Pläne hin­sicht­lich des vorbeugenden und abwehrenden Brand­schutzes prüfen und begutachten. Ein Herzensanliegen war Georg Anzenhofer stets die Brandschutz­erzie­hung und -aufklärung in Schulen und Kindergärten. Als Kreisbrandrat stand er in Personalunion auch dem Kreisfeuer­wehrver­band (KFV) vor, dessen Wiedergründung und Auf­bau er seit 1994 konsequent und engagiert betrieben hat. Auch außerhalb der Landkreisgrenzen waren der Rat und die Erfajrung von Georg Anzenhofer gefragt. So fungierte er beim Bezirksfeuerwehrver­band Schwaben seit 2000 als stellver­tretender Vorsitzender. Zudem engagierte er sich im Verbandsausschuss des Landesfeuerwehrverban­des Bayern und leitete dort den Fachbereich Aus- und Fortbildung – mit besten Kontakten zu den Bayerischen Feuerwehrschulen in Regensburg und Würzburg.

In seiner knapp bemessenen Freizeit ist der Natur­liebhaber Georg Anzenhofer zusammen mit Ehe­frau Brigitte – die beiden sind seit 1973 glücklich verheiratet – wann immer es geht auf der Südseite der Alpen anzutreffen. „Bella Italia“, vor allem der Gardasee, Südtirol und Oberitalien, zählen zu sei­nen Urlaubsfavoriten. Weitere Steckenpferde sind für den Vater von drei erwachsenen Kindern zudem sein großer Garten und sein Privatwald, wo es fast das ganze Jahr über etwas zu tun und zu werkeln gibt. Und wenn in der Schreinerei von Sohn Matthias ein zupackender „Handlanger“ gebraucht wird, dann ist Vater Georg schnell zur Stelle – so wie er es als Vollblut-Feuerwehrmann sein ganzes Leben lang eben gewohnt war...

Quelle: Walter Kleber, Lkr. Augsburg 23.05.2010