Chemielehrer im Schutzanzug
Praxisorientierte Brandschutzerziehung im Landkreis Wunsiedel
18.12.2007 - 22:04 Uhr
„Kann Mehl eigentlich brennen?“, fragt der Lehrer. „Natürlich nicht“, lacht der 14jährige Marco, „sonst würde doch der Kuchen im Backofen abgefackelt.“ Der Lehrer in der Person des Stadtbrandinspektors Harald Fleck aus Marktredwitz steht vor der Klasse, natürlich im Schutzanzug, der auch wirklich nötig ist, wie sich weiteren Verlauf des Unterrichts herausstellen wird. Er greift in eine seiner beiden Kisten, entnimmt ihr eine größere Blechdose, gibt etwas Mehl hinein, bläst in einen Schlauch, um das Material zu verwirbeln, und hält eine Flamme in das Gefäß, aus dem jetzt eine Stichflamme schießt. Ein kurzer Schrecken bei den Schülern und dann das Erstaunen: „Hätten wir nicht gedacht, dass das möglich ist.“
Die Versuche gehen weiter: Immer neue Materialien kommen zum Vorschein und werden zum Brennen gebracht: Holz, Spiritus, Benzin, Öl und sogar Metallspäne. Und dann kommen die entsprechenden Löschmittel zum Einsatz. Mit einfachsten Mitteln, aber auch mit viel Phantasie hat Harald Fleck die von der Feuerwehr eingesetzten Geräte kopiert: Die Spritze, gefüllt mit Wasser oder Löschpulver, wird zum Feuerlöscher. Ein Trichter, gefüllt mit Schaumstoff und am anderen Ende versehen mit einem Schlauch, wird zum Schaumlöscher. Selbst die Fettexplosion wird den Schülern im Miniformat eindrucksvoll vor Augen geführt: Wenige Wassertropfen aus der Spritze genügen, um einen kleinen, aber ansehnlichen Feuerball hervorzuzaubern, was beim wirklichen Lehrer, der das Geschehen wie seine Schüler gespannt verfolgt, prüfende Blicke an die Decke hervorruft.
Unterstützt
werden die Vorführungen von Ausführungen über die Gesetzmäßigkeiten der
Verbrennung und Einblicken in die Praxis der Feuerwehr, vermittelt mit Bildern
und Videosequenzen. So wird am Beispiel eines explodierten Abfallcontainers
gezeigt, dass eine größere Menge von Metallspänen durchaus zur Gefahr werden
kann, wenn man achtlos eine Kippe in den Behälter wirft. Am Ende der Unterrichtseinheit
sind sich die Schüler - und vielleicht
auch der echte Lehrer - einig: „Endlich mal ein richtig interessanter
Unterricht mit viel Action!“
Gefragt, wie er denn auf die Idee für diese Unterrichtseinheit gekommen sei, antwortet Harald Fleck, die Anregung sei von der Lehrerschaft gekommen:
„Man wollte eine Unterrichtseinheit (‚Verbrennung‘), die sowohl auf die Vorgaben des Lehrplans abgestimmt ist als auch auf die praktische Arbeit der Feuerwehr eingeht.“
Natürlich werde man in Zukunft bei der Brandschutzerziehung nicht auf „echtes“ Gerät verzichten. „Wir werden zum Beispiel immer wieder zeigen, wie ein Feuerlöscher funktioniert und wie er sachgemäß eingesetzt werden kann. Aber überlegen Sie sich doch einmal, wie lange eine ähnliche Unterrichtseinheit dauern würde, wenn Sie auf die „Verkleinerung“ verzichten. Sie brauchen alleine für eine Fettexplosion mit Vorbereitung und Erläuterungen fast eine halbe Stunde.“
