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Brandverletzte zwischen Leben und Tod

Brandverletztes Kind - Copyright Paulinchen e.V. Sie werden niemals wieder einen Menschen treffen, der einen stärkeren Willen hat, als eine Brandverletzter. Diesem Menschen widerfuhr das wohl schlimmste Schicksal, dass einem menschlicher Körper aufgebürdet werden kann - und er hat es ausgehalten und überlebt. (Gary Graham, USA)

Menschen, die dem Feuer hilflos ausgeliefert waren, haben wohl die größte Katastrophe ihres Lebens erlitten. Und nach dem Unglück wartet auf die Opfer zumeist ein langer und schwieriger Weg, der nicht selten an der Grenze zwischen Leben und Tod verläuft. Brandverletzungen stellen für einen Menschen die wohl denkbar umfassendste Verletzung dar.

Verbrennungen und Verbrühungen entstehen durch Hitzeeinwirkung: bereits ab 52° C wird die Haut geschädigt. Die Ursachen sind heiße Flüssigkeiten, Flammen, Berührung mit heißen Gegenständen, Brände, Strom, Säuren. Sie schädigen nicht nur die Schutzfunktion der Haut, sondern den gesamten Menschen in seinen körperlich-seelischen Empfindungen und geistigen Funktionen.

Verbrennungsregel - Copyright Paulinchen e.V. Die Haut ist eine nahtlose Hülle des Körpers. Sie setzt sich aus zwei Schichten zusammen:

1. Oberhaut (Epidermis),
2. Lederhaut (Dermis),
    darunter liegt das Unterhautfettgewebe 
    (Subkutis). 

Neunerregel nach Wallace:
Ausmaß der Verbrennung - eine Handfläche entspricht 1 Prozent der Körperoberfläche

Verbrennungstiefe - Copyright Paulinchen e.V. Je nach Tiefe der Verletzung spricht man von Verbrennungen bzw. Verbrühungen ersten, zweiten oder dritten Grades.

Erstgradige (Rötungen) und oberflächlich zweitgradige (Blasen) Verbrennungen heilen normalerweise ohne operative Eingriffe ab.

Tief zweitgradige und drittgradige Verbrennungen müssen operiert werden.

Von gesunden Stellen des Körpers werden dafür dünne Hautschichten entnommen, auf die verletzten Gebiete aufgelegt und fixiert, um dort anzuwachsen (Hauttransplantat.).

Je nach Ausmaß der Verbrennung - eine Handfläche entspricht 1 Prozent der Körperoberfläche - dauert es mehr oder weniger lange, die verletzten Gebiete zu decken.

Sind alle offenen Stellen mit Haut bedeckt und verheilt, muss auf die transplantierte Haut Druck, d.h. Kompression ausgeübt werden, damit die Narben hell und weich werden und nicht wuchern. Dazu gibt es Druckverbände, die maßgefertigt werden und ein bis zwei Jahre 24 Stunden am Tag getragen werden müssen.

Gehen die Verbrennungen über Gelenke oder Beugestellen (Kinn, Hals, Achsel muss durch Schienen, sowie Krankengymnastik und Ergotherapie versucht werden, die verloren gegangenen Funktionen wieder zu erarbeiten.

Wenn die Narben reif sind, d.h. in derselben Farbe wie die normale Haut, weich und möglichst eben, kann über Korrekturmöglichkeiten nachgedacht werden. Korrekturoperationen bieten sich an, um funktionale Behinderungen zu beheben, aber auch um entstellende, psychisch belastende Narben zu verschönern. Jeder Korrekturoperation folgt wieder die Rehabilitation mit Kompression, Krankengymnastik etc.

Die gesamte Behandlungsdauer ist immer sehr lang und kann nur in Monaten bzw. Jahren gerechnet werden.

Die Belastung durch Angst und Schmerzen bei Verbrennungen ist enorm. Die meisten Patienten erleben den Unfall bei vollem Bewusstsein. Die Behandlung ist extrem schmerzhaft, die transplantierte Haut sehr empfindlich und der Heilungsprozess meist von starkem Juckreiz begleitet. Krankengymnastik und Ergotherapie müssen immer die Schmerzgrenze erreichen und überschreiten, um Verlorengegangenes wieder aufzubauen.

Die psychische Belastung, mit Narben leben zu müssen, ist sehr groß. Brandverletzungen stellen als Unfallart eine Besonderheit dar, weil der Betroffene eben auch für seine Umwelt wahrnehmbar auf Dauer geschädigt ist. Kinder sind speziell betroffen, da die Narbenflächen oft nicht mitwachsen und Folgeoperationen nach sich ziehen. Sie sind als Persönlichkeiten noch nicht gefestigt und haben es daher sehr schwer, mit Narben, vor allem in den Entwicklungsjahren, umzugehen.

Durch ein überlegtes und konsequentes Therapiekonzept kann ein gutes Ergebnis erreicht werden, sichtbar werden die Narben aber immer sein.

Überlebenschancen
Die Entscheidung über Leben und Tod fällt zwischen dem 7. und 8. posttraumatischen Tag. Die durchschnittliche Liegezeit auf der Brandverletzten-Intensivstation (BV-ITS) beträgt ungefähr 11 Tage. Nicht mehr ganz aktuell, aber als grober Richtwert für die Lebensprognose noch zu gebrauchen ist die Formel:

"Lebensalter + Prozent 2. - und 3.-gradig verbrannter Körperoberfläche = Todeswahrscheinlichkeit”

Dies bedeutet:
Ein 70jähriger Patient mit 50% 2.- bis 3.-gradig verbrannter Körperoberfläche hat eine Todeswahrscheinlichkeit von 120%, also eigentlich keine Oberlebenschancen. Dennoch geben die Ärzte keinen der Patienten vorschnell auf. So wird davon berichten, dass auch 70-jährige Patienten mit 30% 2.­/3.-gradiger Verbrennung überlebt haben. Durch längere Liegezeiten können die Überlebenschancen der Patienten deutlich ansteigen. Somit erscheint auch ein Preis von rund 3.500 Euro pro Tag durchaus sinnvoll. Leider ist dieser Tagessatz noch immer nicht kostendeckend.
Text und Bilder mit freundlicher Unterstützung von Paulinchen e.V.
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Paulinchen e.V. arbeitet bundesweit seit Jahren mit vielen Feuerwehren zusammen, die einen Großteil der Brandschutzerziehung in Deutschland leisten. Für Brandschutzerziehung und für Veranstaltungen können wir kostenlos unser Info-Material zur Verfügung stellen.

Ein herzliches Dankeschön an alle Feuerwachen, die jedes Jahr Paulinchen e.V. in der Sache und durch Spenden unterstützen und die Aktion Paulinchen “So schützen Sie Ihr Kind vor Verbrennungen und Verbrühungen” zur Prävention von Verbrennungs- und Verbrühungsunfällen in der Brandschutzerziehung und bei Veranstaltungen einsetzen.

Die Broschüre "Aktion Paulinchen" die bei vielen Feuerwehren gerne im Rahmen der Brandschutzerziehung eingesetzt wird können Sie hier downloaden. Weiterhin kann diese Broschüre auch in größerer Stückzahl gegen Portoerstattung  bei Paulinchen bestellt werden.

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