Brandschutzerziehung für gehörlose Kinder
Mit einem Seminar fing alles an. Im Herbst 1998 wurden die Brandschutzerzieher der Berufsfeuerwehr Frankfurt a. M. während eines Seminars von der Erzieherin Cornelia Redetzki besucht. Frau Redetzki ist selbst gehörlos und schilderte den Brandschutzerziehern ihre Situation. Unterstützt wurde sie von ihrem Lebensgefährten, welcher die Ausführungen von Frau Redetzki in der Deutschen Gebärdensprache (DGS) inhaltlich in Lautsprache umsetzte. Die Brandschutzerzieher waren somit von der ersten Minute an darauf angewiesen, auf eine Ebene der Kommunikation zu wechseln, die neu war. Noch während des Seminars erklärte sich ein Brandschutzerzieher bereit, mit der gehörlosen Erzieherin ein gemeinsames Ausbildungskonzept zu erarbeiten.
Es folgten viele Arbeitstreffen in denen die Lerninhalte der Brandschutzerziehung mit Lehrmethoden der Erziehung verknüpft wurden. Um die Brandschutzerziehung durchführen zu können, wurde eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Brandschutzerzieher und der gehörlosen Erzieherin notwendig. Im Rahmen der Vorbereitungen musste der Lehrstoff gebärdensprachlich und optisch aufbereitet werden, damit die Lernziele überhaupt an hörgeschädigte und gehörlose Kinder vermittelt werden können. Dieses Konzept war der Beginn einer ganzheitlichen Brandschutzerziehung in Einrichtungen für gehörlose Kinder.
Sprache und Kommunikationsmittel
Aus Sicht der Feuerwehr ist es wichtig den gehörlosen Kindern die gleichen
Inhalte der Brandschutzerziehung wie den hörenden Kindern zu vermitteln,
selbstverständlich unter Berücksichtigung deren individueller Situation. Ein
Beispiel ist die Wortschatzentwicklung. Bei der Laut- und Schriftsprache wird
die Kluft zwischen hörenden und gehörlosen Kindern immer größer, je älter
sie werden. Ferner
kann nur
etwa ein Drittel des gesamten Wortschatzes vom Mund abgelesen werden.
Wie bei hörenden Kindern wurden Zeigegestik, Pantomime oder Mimik zur kindlichen Kommunikation. Dieses mehrkanalige Lernen trug vor allem dazu bei, Lerninhalte zu festigen. So wurde das Mundbild durch natürliche Gebärden, Mimik, Gestik sowie Gebärdensprache unterstützen. Ungewohnt war es natürlich, diese Kommunikationsmittel vor der Lautsprache einzusetzen.
Unterrichts-
und Lernziele sind identisch
Die
allgemeine Erkenntnis der Pädagogik zeigt, dass sich das Erziehungsprogramm
nicht am schwächsten Punkt des Kindes orientieren darf. Um so wichtiger ist,
es die Stärken des gehörlosen Kindes zu kennen, um folgende
Unterrichtsinhalte so zu gestalten,
dass eine Verständigung in mehreren Ebenen an Hand von Reizmodellen, Folien,
Arbeitsblättern, Kreisspielen, Rollenspielen sowie Bewegungsspielen möglich
wurde:
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Aufgaben und Ausrüstung der Feuerwehr
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Feuermeldewege
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Beantwortung der Fragen
»Was ist Feuer?«,
»Was brennt?« und
»Was macht der Rauch?« -
Richtiges Verhalten im Schadenfall,
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Umgang mit dem Feuer,
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Notrufmeldung für Gehörlose per Notfallfax,
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Vertrauensbildung zum Helfer,
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Vorsichtiger Umgang mit Feuer
Die Unterrichtsmittel wurden so erstellt, dass sie dem Lernniveau und den kommunikativen Möglichkeiten der hörgeschädigten bzw. gehörlosen Kinder gerecht werden. So wurden beispielsweise Folien mit verschiedenen Tätigkeiten und Handlungsanweisungen für den Notfall in illustrierter Form erstellt. Dazu werden die Erklärungen in Form von Gestik durch den Brandschutzerzieher, unterstützt durch Gebärdensprache der gehörlosen Erzieherin, gegeben. Eine kindgerechte bildliche Sprache unterstützt dabei die speziellen Kommunikationsbedürfnisse und ermöglicht eine gelockerte Arbeitsatmosphäre.
Ausbildungskonzept
Das Ausbildungskonzept orientiert sich an der Ausbildungsmappe für die
Brandschutzerziehung in Hessen. Folien und Arbeitsblätter wurden so
gestaltet, dass sie visuell leicht verständlich und in drei Ebenen der
Kommunikation eingearbeitet werden konnten. Weiterhin wurden Reizmodelle für
Feuer, Rauch (Rauchhaus) und Notrufmeldeweg (Notrufmeldeplatte) entwickelt. Zu
den Themenschwerpunkten wurden Rollenspiele eingeübt, in die die Kinder während
des Unterrichts mit einbezogen werden.
In der Schule wurde der Unterrichtsraum in drei Ebenen der Kommunikation (Sehen, Fühlen, Erleben) eingeteilt. Die Anzahl der Teilnehmer ist dem Leistungsstand angepasst und soll zehn gehörlose Kinder nicht überschreiten. Dabei wird unterschieden:
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Sitzgruppenbereich:
Hier erfolgt die rein visuelle Aufnahme von Unterrichtseinheiten.
Dazu werden Folien gezeigt, die durch Pantomime unterstützt werden. -
Arbeitsbereich:
Dieser Bereich dient mit der Wahrnehmung von Reizmodellen,
Durchführung von Experimenten sowie dem Ausfüllen der Arbeitsblätter der Kommunikationsebene »Fühlen«. -
Szenenfläche:
Sie ist zum »Erleben« des Theaters, des Rollenspiels und für Übungen mit Kindern gedacht.
Das
Notruf-Fax
Eingebunden in das Ausbildungskonzept ist auch die Vermittlung des richtigen Notrufs, der bei gehörlosen Kindern nur schwer gelehrt werden kann. Die Notrufmeldewege von gehörlosen Menschen sind gegenüber hörenden Menschen nicht übertragbar, so dass andere Systeme zur Anwendung kommen müssen.
Hier eignen sich nach dem heutigen Stand der Technik Faxgeräte am besten. Mit diesen Geräten sind auch die gehörlosen Menschen vertraut den sie dienen im allgemein als Kommunikationseinrichtung im täglichen Leben.
Die
meisten zentralen Einsatzleitstellen sind jedoch nicht zielgerecht
ausgestattet. Die Empfangs-Faxgeräte der Leitstellen werden in der Regel
nicht als Notruf, sondern als Büroeinrichtungen betrieben. Daher ist die
vorrangige Bearbeitung eines eingehenden Notruf-Fax nicht garantiert, es
kommt zu nicht unerheblichen Zeitverzögerungen. Bei der Feuerwehr Frankfurt
am Main wurde auf diese Erkenntnis hin kurzfristig und durch einfache
technische Maßnahmen im Stadtgebiet auch für ein Faxgerät die Notrufnummer
112 geschaltet. Jede Faxnachricht, die über die »112« gesendet wird, wird
von einem gesonderten Faxgerät empfangen und als Notrufnachricht wie
telefonische Notrufe bearbeitet. Sie können durch Anklicken diesen Faxvordruck
(in deutsch) als PDF-Datei aufrufen. Weitere Faxvordrucke in anderen Sprachen finden Sie auf unserer Downloadseite im Bereich Einsatz und Brandschutzerziehung.
Anlässlich der Eröffnungsveranstaltung zur bundesweiten Feuerwehraktionswoche 1999 wurde die Feuerwehr Frankfurt am Main am Freitag, dem 10. September 1999 in Erfurt mit dem Förderpreis des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) "Die Brandschutz 1" ausgezeichnet.
Unter mehr als 25 Bewerbungen erhielt das Frankfurter Projekt "Brandschutzerziehung für gehörlose Kinder an der Schule im Sommerhoffpark" diese höchste deutsche Feuerwehrauszeichnung, die alle zwei Jahre vergeben wird. Das Projekt wurde von dem Frankfurter Feuerwehrbeamten Thomas Schmitt und der gehörlosen Erzieherin Cornelia Redetzki erarbeitet und wird mit großem Erfolg seit etwa einem Jahr in der Schule am Sommerhoffpark, einer Schule für gehörlose und schwer hörgeschädigte Kinder angewandt.
